Bild von Natalie Grams

Die Homöopathie. Eine Methode, die sich selbst zur Medizin zählt (obwohl sie seit 200 Jahren nicht wirklich belegen kann, dass sie überhaupt als Medizin wirkt). Eine Methode, von der Krankenkassen und Politiker in Diskussionen sagen, sie sei „beliebt“ (äh, ja … mag sein). Und eine Methode, die die überwiegende Mehrzahl der gesetzlichen Krankenkassen in mehr oder weniger großem Umfang zur Erstattung anbietet. Nicht als Regelleistung, dazu fehlt ihr das OK des Gemeinsamen Bundesausschusses in Berlin, des Gremiums aus Vertretern der Leistungserbringer und der Kostenträger, das darüber entscheidet, was jede Kasse erstatten muss. Dieses OK wird sie auch nicht bekommen, denn sich selbst zur Medizin zu zählen und beliebt zu sein, das reicht dafür nicht.

Aber wie kommt sie in die Krankenkassen? Als Satzungsleistung. Was bedeutet, dass die Kassen Homöopathie in ihren Leistungskatalog aufnehmen KÖNNEN, aber nicht müssen. Auch den Umfang der Erstattung können sie dabei selbst festlegen. Wenn sie es tun, dann gilt das aber wiederum für alle Versicherten dieser Kasse, die dann auch alle per Beitrag die für Homöopathie aufzuwendenden Kosten mittragen. So hat es der Gesetzgeber 2012 festgelegt.

Dieses Fenster hat der Gesetzgeber nun mal geöffnet und wer will es den Kassen, die im Wettbewerb zueinander stehen, wirklich verdenken, dies zu nutzen? Dass ich, seit Jahren exponierte Kritikerin der Homöopathie, darüber allerdings nicht in Freudenstürme ausbreche, das brauche ich nicht besonders zu betonen. Seit jeher habe ich auch vertreten, dass Homöopathie nehmen solle, wer mag – und dran glaubt. Nur eben informiert und nicht auf Kosten anderer.

Nun bin ich aber auch Realistin und sehe, was sich hier für eine schwierige Lage längst verfestigt hat. (Unter uns: mein Traum wäre es, wenn der Gesetzgeber sich mal besinnen und das Problem grundsätzlich lösen würde.) Aber die konkrete praktische Frage ist: Was können die Kassen tun? Kommt irgendjemand mal auf den Gedanken, einen ersten Schritt zu tun und all denen, die – zu Recht – nicht von der Homöopathie überzeugt sind (und dafür nicht mitbezahlen wollen), irgendeine Option zu bieten?

Und siehe da: hier ist sie, die gesetzliche Krankenkasse, die als erste das Fenster ein Stück öffnet und allen denen, die die Begeisterung für die Homöopathie nicht teilen, die Option bietet, flexibel auf Homöopathie-Erstattung zu verzichten und dafür einen Bonus zu bekommen.

Nun mag das aus der Sicht grundsätzlicher Kritik so scheinen, als kreiße der Berg und bringe eine Maus hervor. Aber wie gesagt, ich bin Realistin und sehe das ungeachtet meiner unveränderten Position zur Homöopathie durchaus als einen ersten mutigen Schritt hinaus aus einer verfestigten Situation, einen Schritt, der ein starkes Signal aussendet. Nämlich den, dass eine vorgebliche Beliebtheit eines Mittels oder einer Methode allein ein höchst zweifelhafter Grund dafür ist, Kosten der gesamten Versichertengemeinschaft anzulasten. Und damit fatalerweise noch mehr den Anschein zu erwecken, es müsse „doch was dran sein“ an der Homöopathie.

Das ist nicht nur mutig von IKK NOW, das ist nicht nur fair gegenüber ihrer Versichertengemeinschaft – das ist vor allem ein Signal an all die anderen Krankenkassen, die bislang unverrückbar an der Homöopathie festhalten. Ein Signal, dass es an der Zeit ist, unabhängig vom Gesetzgeber in Sachen Homöopathie die eigene Position mutig, selbstkritisch und fair gegenüber der Versichertengemeinschaft zu überdenken. Beliebtheit hin oder her. Und deshalb sage ich auch aus der kritischen Position heraus: Danke, IKK NOW!

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