Anhaltender Stress, Burnout, Depressionen – auch junge Menschen können darunter leiden. Leistungsdruck in der Ausbildung, Prüfungsangst oder private Probleme können den Alltag zu einer schier unlösbaren Herausforderung machen.
Wenn Dich eine psychische Erkrankung überwältigt oder Dich der unerträgliche Stress lähmt, ist es an der Zeit, die Reißleine zu ziehen und Dich um Deine mentale Gesundheit zu kümmern – der Beruf ist dann erstmal nachrangig. Womöglich hast Du sogar schon einmal darüber nachgedacht, Deine Ausbildung zu unterbrechen wegen Deiner psychischen Probleme. Deine Gesundheit sollte immer an erster Stelle stehen!
Auf dieser Seite beantworten wir die häufigsten Fragen, die Dir begegnen, wenn Du Deine Ausbildung wegen einer psychischen Krankheit pausieren musst.
Kann man die Ausbildung pausieren wegen Krankheit?

Ja, Du kannst Deine Ausbildung vorübergehend unterbrechen, wenn Du an psychischen Problemen oder einer körperlichen Erkrankung leidest. Eine offizielle Ausbildungspause gibt es zwar nicht, aber Du kannst Dich von Deinem Arzt/Deiner Ärztin arbeitsunfähig schreiben lassen (ggf. mit Folgebescheinigungen). Wichtig ist eine lückenlose ärztliche Attestierung.
Hier findest Du weitere Regelungen zur Krankmeldung bei Azubis.
Wenn Du Deine Ausbildung wegen psychischer Probleme unterbrechen musst, solltest Du die IHK oder Handwerkskammer kontaktieren. Auch ein offenes Gespräch mit Deinem Arbeitgeber kann helfen – Deine Diagnose musst Du dabei nicht offenlegen.
Um die rechtlichen Aspekte zu klären, wende Dich am besten an Deine Gewerkschaft. In Unternehmen mit Betriebsrat gibt es hierfür oft eine Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV), die Dich beraten kann.
Was passiert, wenn ich meine Ausbildung wegen psychischer Probleme unterbreche?
Aus einer Krankheit bzw. Arbeitsunfähigkeit dürfen für Arbeitnehmer und Auszubildende keine negativen Folgen resultieren – denn jeder kann mal krank werden, ob körperlich oder psychisch. Wenn Du Dich also länger arbeitsunfähig schreiben lässt, musst Du Dir erstmal keine Gedanken machen, dass Du Deinen Ausbildungsplatz verlierst.
In den ersten sechs Wochen zahlt Dein Betrieb Dir weiter Deine Ausbildungsvergütung (laut § 19 Berufsbildungsgesetz). Danach erhältst Du Krankengeld von Deiner Krankenkasse (maximal 78 Wochen in einem Zeitraum von 3 Jahren).
Erfahre mehr zum Krankengeld in der Ausbildung.
Ausnahme: Ein neu eingestellter Azubi hat in den ersten 4 Wochen seit Beschäftigungsbeginn keinen Anspruch auf die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.
Bei längerfristigen Krankheitsfällen schalten viele Arbeitgeber den medizinischen Dienst der Krankenkasse ein, um die Diagnose zu überprüfen. Nicht, um Dich zu schikanieren, sondern um sich Deine Arbeitsunfähigkeit bestätigen zu lassen. Keine Sorge: Dein Arbeitgeber erfährt nicht Deine Diagnose, da die ärztliche Schweigepflicht natürlich auch gilt, wenn Du Deine Ausbildung wegen psychischer Probleme unterbrechen musst.
Kann ich meine Ausbildung nach einer Pause wegen psychischer Probleme wieder aufnehmen?
Wenn Du Deine Ausbildung wegen einer psychischen Krankheit pausiert hast, kannst Du sie nach Deiner vollständigen Genesung fortsetzen – die Fehlzeit wird einfach angehängt. Eine Kündigung musst Du nicht befürchten.
Der Wiedereinstieg nach einer langen Krankheit kann schwierig sein. Deswegen sind Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet, Arbeitnehmern und Auszubildenden, die länger als sechs Wochen krank waren, eine sogenannte Wiedereingliederung zu ermöglichen. Eine solche berufliche Rehabilitation kann stufenweise erfolgen (Hamburger Modell). Dies erfolgt in enger Abstimmung mit Deinem behandelnden Arzt und Deinem Arbeitgeber.
Ausbildung in einem anderen Betrieb fortsetzen
Nach Deiner Genesung kannst Du Deine Ausbildung auch in einem anderen Betrieb fortsetzen und Dir die bereits absolvierte Ausbildungszeit anrechnen lassen. Hierfür sprichst Du alle Einzelheiten (wie viel Zeit Dir angerechnet wird, wie hoch dementsprechend die Vergütung ist, etc.) mit Deinem neuen Betrieb ab.
Wo finde ich Hilfe, wenn ich meine Ausbildung wegen psychischer Probleme unterbrechen muss?
Um Hilfe zu bitten, ist keine Schwäche! Wenn Du Deine Ausbildung unterbrechen musst, um Deine psychischen Probleme zu behandeln, gibt es mehrere Anlaufstellen für Fragen und Unterstützung:
- Arbeitgeber: Viele Arbeitgeber sind inzwischen auf mentale Gesundheit sensibilisiert und zeigen Verständnis – immerhin kannst Du nichts dafür, dass Du gerade jetzt arbeitsunfähig wirst. Ein offenes Gespräch kann bereits einige Fragen klären.
- Betriebsrat bzw. JAV: Sie vertreten die Rechte von Arbeitnehmern gegenüber dem Arbeitgeber. Die Jugend- und Auszubildendenvertretung kümmert sich speziell um junge Mitarbeiter.
- Ausbildungsberatung der zuständigen Kammer: Ob IHK oder Handwerkskammern – sie helfen Dir weiter, wenn Du Deine Ausbildung wegen Krankheit pausieren bzw. unterbrechen musst.
- VerAplus (SES): Das Mentoringprogramm VerAplus vom Senior Expert Service setzt sich für junge Menschen ein, denen die Ausbildung schwerfällt. Falls Deine psychischen Probleme mit der Arbeit zusammenhängen, kannst Du hier Hilfe finden.
Mentale Gesundheit – Hilfsangebote bei der IKK Südwest & IKK NOW
Als Krankenkasse speziell für Azubis und junge Leute steht Deine Gesundheit für uns an erster Stelle. Deswegen möchten auch wir Dir beim Stressabbau in der Ausbildung helfen. In der Breathwork Session kannst Du Dich 10 Minuten lang auf Deine Atmung konzentrieren und einen Sofort-Effekt erleben – denn die Atmung hat großen Einfluss auf unser Wohlbefinden.
Da die psychische Gesundheit während der Berufsausbildung ein wichtiges Thema ist, bietet die IKK Südwest zahlreiche Vorträge zum Thema Stress an – wie „Abgrenzen und Nein sagen“, „Mental Load: Strategien für einen leichteren Alltag“ oder „Entspannungstipps in akuten Krisensituationen“ und vieles mehr. Schreib uns einfach bei Fragen hierzu, wir sind gerne für Dich da.
